Die Helden der Wacholderheide

Im Rahmen der Öko-Aktionswochen war die Reporterin und Klimaaktivistin Louisa Schneider auf einen Schnack bei Bio-Betrieben in der Region. Von ihnen wollte sie wissen:
„Was macht Bio eigentlich aus?“

Honigkuchen..schafe

Lukas von Mackensen und seine Mutter Johanna strahlen wie zwei Honigkuchenpferde – oder -schafe?!
Seit über 30 Jahren führen sie als Familienbetrieb die Schäferei „Kräuterlamm“. Und obwohl sie täglich fast 14 Stunden auf den Beinen stehen, sie Jahr für Jahr mit Existenzängsten kämpfen und sich eigentlich betriebsbedingt kaum Urlaub nehmen können, wirkt die Familie ungemein ruhig und zufrieden. Mit einem breiten Grinsen empfingen sie Louisa zu Hause in Gomadingen. Wo kommt trotz der Schwere des Arbeitsalltags diese Leichtigkeit her?

Johanna erzählt frei heraus: 1995 gegründet, 600 Schafe und 400 Lämmer. Das Ganze auf insgesamt 159 Hektar Weidefläche. Aber es sind nicht irgendwelche Weideflächen, sondern unter ihnen sind auch wertvolle Wacholderheiden. Diese Flächen sind maßgeblich abhängig von den Schafen und unfassbar wichtig für den Menschen. Die Schafe sorgen dafür, dass die Flächen frei bleiben und nicht vom Wald zurückerobert werden, da die Tiere junge Triebe direkt abbeißen. Zudem werden mit der Schafsbeweidung die Flächen extensiv gepflegt. Dieses nachhaltige Nutzungssystem ist heute zur Seltenheit geworden. In fast allen Bereichen der Landnutzung haben in diesem Jahrhundert enorme Intensivierungen stattgefunden. Dadurch wird zwar mehr erwirtschaftet, jedoch erleiden wir auf der Kehrseite einen enormen Artenverlust.

„Man muss sich das mal vorstellen. Auf unseren Wacholderheiden wurden
242 Pflanzenarten festgestellt. Und jede Pflanze hat ein oder mehrere Insekten,
die ganz direkt miteinander in Symbiose stehen und voneinander abhängig sind.
Durch die Intensivierung der Flächennutzung gehen uns all diese Arten verloren –
und damit auch die Insekten.“

Der Mensch entfernt sich zunehmend von all den vielfältigen Zusammenhängen der Ökosysteme, zwischen Tier, Insekten, Pflanzen und Mensch – man selbst sieht sich nicht mehr als Teil des Systems.

„Flächen wie Wacholderheiden, Trockenbiotop oder Kalkmagerrasen sind Flächen,
die unsere Nachfahren ebenso brauchen. Diese zu erhalten, zu hegen und zu pflegen,
sehe ich als meine Aufgabe und das macht mich nachhaltig glücklich.“

Die Wacholderheiden der Schwäbischen und der Fränkischen Alb gehören zu den ältesten durchgehend existierenden Kulturlandschaften der Menschheit. Johanna und Lukas sorgen mit unvergleichlicher Hingabe und Hochachtung zur Natur und zu allen Lebensformen dafür, dass sie es auch bleiben.

Fotos: (c) Maximilian Kamps