Saatgutproduzentin und Anbauerin Svende Jahnel im Interview

„… weil wir biologische Vielfalt erhalten wollen“

Svende Jahnel ist eine von drei GärtnerInnen, die in Gundelfingen bei Freiburg einen Biobetrieb zur Saatgutvermehrung und Saatguterhaltung bewirtschaften. Hier verbinden sie Kompetenzen aus der Agrar- und Forstwissenschaft mit Gärtnerwissen und Naturpädagogik. Ihr erklärtes Ziel: samenfestes Saatgut vermehren, erhalten und züchten. Ihre KoRnzept GbR haben sie im April 2017 gegründet. (Titelbild: KoRnzept GbR – v.l.n.r. Simon Diekmann, Kaya Berger und Svende Jahnel)

Im Interview erzählt Biogärtnerin Svende Jahnel von ihrer Motivation und gibt Einblicke in ihre spannende Arbeit mit Saatgut.

Samenfestes Saatgut –was ist das?

Samenfest bedeutet, dass die aus dem Samen einer Kultursorte hervorgehenden Pflanzen nachgebaut, also vermehrt, werden können. Geschieht dies fachgerecht, bringen die Pflanzen in der nächsten Generation wieder gleiche Sortenmerkmale hervor. So lassen sich Sorten sowie ihre Eigenschaften langfristig erhalten.

Welche Ziele verfolgt Ihr mit Eurer Arbeit an und mit samenfesten Sorten?

In der klassischen Züchtung und Erhaltung für den kommerziellen Anbau sind die Höhe des Ertrags, die Homogenität der Pflanzen oder die Lagerfähigkeit gewichtige Parameter. Damit werden ein Großteil von Gemüse- und Zierpflanzensorten sowie Raritäten nicht berücksichtigt. Obwohl sie vielerlei andere spannende Qualitäten in sich bergen – wie die Anpassung auf einen spezifischen Standort, ein exklusiver Geschmack, ihre Kocheignung oder Farbenvielfalt – würden wir diese Sorten verlieren.

Daher tun wir Folgendes:

Erhalt der biologischen Vielfalt

Wir vermehren, erhalten und züchten Sorten, um zum Erhalt der biologischen Vielfalt im Kulturpflanzenanbau Da wir keine patentierten Sorten verwenden, stehen wir an der Seite von anderen Initiativen und AkteurInnen, die sich für eine Ernährungssouveränität durch frei zugängliches Saatgut engagieren.

Erhalt der Sorten

Die Sortenerhaltung möchte dem Verlust von Sorten entgegenwirken und sortenspezifische Eigenschaften bewahren. Ein kontinuierlicher Nachbau ist zum einen nötig, um vitales Saatgut zu erhalten. Gleichzeitig muss die Pflanze ihren sich permanent ändernden Lebensbedingungen ausgesetzt sein, um sich anpassen zu können.

Vermehrung der Sorten

Die Sortenvermehrung hat zum Ziel, das Saatgut einer Sorte in einer größeren Menge bereitzustellen. Unsere Betriebsverhältnisse sind auf die Zielgruppe der Klein- und HobbygärtnerInnen abgestimmt. Mit dem Fokus auf besonderen Qualitäten und Raritäten, geht es bei uns fast ausschließlich um Sorten, die im kommerziellen Anbau nicht von Bedeutung sind.

Sorten vermehren und erhalten - wie geht das?

Für den Nachbau einer Sorte sind bestimmte Dinge zu beachten. Zentrale Fragen sind beispielsweise:

  • Ist die Pflanzenart ein Selbst- oder ein Fremdbefruchter?
  • Handelt es sich um einen einjährige oder zweijährige Pflanze für die Saatgutgewinnung?
  • Muss ich eventuelle Mindestabstände einhalten bzw. Isoliermöglichkeiten einsetzen, um Verkreuzungen zu vermeiden?
  • Wie viele Samenträger muss ich mindestens anbauen, um die Vitalität der Sorte nicht einzuschränken?
  • Reicht das Ausgangssaatgut für meinen Zweck?

Mit der Sortenerhaltung sollen eindeutige sortentypische Eigenschaften bewahrt werden. Bei der Samengewinnung im Rahmen einer solchen „Erhaltungszucht“ muss demnach besondere Sorgfalt angewandt werden: Nur besonders wohlgestaltete, gesunde und sortentypische Pflanzen werden für die Gewinnung von „Elitesaatgut“ ausgewählt. Dieses Elitesaatgut kann zur Hochvermehrung der Sorte genutzt werden.

Nach dem erfolgreichen Anbau folgt die Saatgutaufbereitung. Dies beinhaltet die Reinigung und die Überprüfung der Keimfähigkeit der Samen. Erst dann können sie zur weiteren Nutzung eingelagert oder weiter verkauft werden.

Die Arbeit mit Saatgut - wie unterscheidet sich ökologisch von konventionell?

Jede Pflanze wächst in stetiger Wechselwirkung mit ihren Umweltbedingungen. So liegt der wesentliche Unterschied zwischen der ökologischen und der konventionellen Saatgutzüchtung im dahinter liegenden Anbausystem: beispielsweise durch die (schnelle) Verfügbarkeit von Nährstoffen, dem Management von Beikraut und den Möglichkeiten, auf eventuell auftretende Krankheiten oder Schädlingsbefall zu reagieren.

Von einer ökologischen Züchtung sollte man demnach erwarten, dass hervorgehende Sorten gut an den ökologischen Anbau angepasst sind. Auch Vermehrung und Erhaltung von biologischem Saatgut erfolgen nach den Richtlinien der biologischen Landwirtschaft und sind entsprechend zertifiziert. Außerdem arbeitet die ökologische Züchtung ohne Gentechnik und manche Verbände wie z.B. Bioland und Demeter lehnen die Patentierung von Sorten ab.

Ihr Besuch bei KoRnzept

Wie sieht blühender Fenchel aus? Was kennzeichnet die Früchte der mexikanischen Minigurke? Woher stammen die Samen, aus denen unser Gemüse entsteht und wächst? Auf 0,45 Hektar können BesucherInnen – nach vorheriger Anmeldung – eine Vielfalt an Gemüse-, Kräuter- und Blumenpflanzen in verschiedenen Entwicklungsstadien bestaunen.

Kontakt zu KoRnzept

Oder Sie haben Interesse an dem hochwertigen Saatgut von KoRnzept für Ihren Garten? Nehmen Sie Kontakt auf:

Online-Shop www.samenfest.de
Website www.kornzept.de
E-Mail info@kornzept.de

Bild: Salaternte – das Saatgut wird aus den reifen Blütenständen ausgeklopft